June's Ankunft

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June

June's Ankunft

Beitrag von June » 20.02.2011, 00:22

Geistesabwesend streichelte June das weiche Fell ihrer Hündin Zazou. Ihre Eltern wechselten einen besorgten Blick, dann erhob Chloe die Stimme. "Du weißt, dass du sie nicht mitnehmen kannst, nicht wahr?" fragte sie leise. Mit vor Wut blitzenden Augen fuhr June ihre Mutter an: "Ich lasse sie nicht zurück!" Daniel lächelte ein wenig wehmütig. So kannte er seine Tochter. In letzter Zeit war sie zu still gewesen, zu in sich gekehrt. "Charles, Sie werden mir doch helfen, oder?" vergewisserte das Mädchen sich. "Wie Sie wünschen, Miss June," entgegnete ihr Chauffeur vom seinem Platz auf dem Fahrersitz aus.

"Wenigstens kann ich mich auf meine Angestellten verlassen," brummte June, woraufhin ihre Mutter recht betroffen aussah. Einen Augenblick schwiegen sie und June zauberte Tränen in ihre himmelblauen Augen. Dann setzte sie ihre Eltern einem erbarmungswürdigen Anblick aus und stotterte: "Nehmt mir... nicht auch noch... Zazou weg, wenn ich mich schon... von euch trennen muss!" June war eine gute Schauspielerin, von einem auf den anderen Augenblick zu weinen, stellte für sie kein Problem dar. Und ihre Eltern fielen darauf herein. "Bitte Ella, wein doch nicht. Du weißt ganz genau, dass eigene Tiere auf Horizon nicht erlaubt sind! Wir werden uns gut um deine Kleine kümmern!" versuchte Daniel zu vermitteln.

"Aber sie braucht mich! Und ich brauche sie! Wenn ihr sie mir wegnehmt, kletter ich auf einen dieser scheiß Bäume und spring runter!" drohte June jetzt, immer noch unter Tränen. Das Ehepaar Larkin war schockiert. Dass ihre Tochter ihre Drohung wahrmachen könnte, glaubten sie sofort, hatte sie doch in letzter Zeit zweimal bewiesen, dass sie dazu in der Lage war. Daran dachte auch June und sie zupfte wie nebenbei an ihren Verbänden. Daniel und Chloe wollten keine Komplizen ihrer Tochter werden und doch ließ diese ihnen keine andere Wahl. Schließlich fragte Chloe: "Wie stellst du dir das vor? Zazou braucht Futter, Auslauf und du kannst sie nicht ständig in dieser Tasche mit dir herumtragen."

"Futter habe ich dabei, das reicht erstmal für mindestens einen Monat. Auslauf bekommt sie auch und du weißt ganz genau, dass sie stundenlang in ihrer Tasche liegt und keinen Mucks von sich gibt," erklärte June bestimmt. Zazou hob den Kopf und winselte leise, als wüsste sie, dass es um sie ging. "Scht, meine Süße," wisperte das Mädchen zärtlich und strich dem Chihuahua leicht über den Kopf. "Es wird alles gut!" Dann wandte es sich wieder an seine Eltern.

"Hört zu. Charles fährt uns zu dieser Schule, wir steigen mit dem Gepäck aus und ich lass erstmal alles über mich ergehen, was die da so mit mir anstellen. Charles fährt ein Stückchen zurück und geht mit Zazou spazieren. Das machen Sie doch, oder Charles?" "Natürlich, Miss June." "Super! Dankeschön! Ich versuche mich sobald wie möglich von der Gesellschaft der anderen zu befreien und komme dann zum Wagen, um Zazou und das Futter zu holen. So einfach ist das." Daniel und Chloe seufzten synchron. Sie wussten, was der Hund ihrer Tochter bedeutete.

Dreimal waren die beiden bislang voneinander getrennt gewesen. Einmal, als Zazou kastriert worden war, zweimal während Ella's Krankenhausaufenthalten. Und jedes Mal war die Wiedersehensfreude groß gewesen. Hier setzten auch die größten Ängste der Larkins an: Wenn June sogar Zazou zurückgelassen hätte, dann musste es ihr wirklich verdammt schlecht gehen. Konnten sie es ihr in dieser Situation antun, sie erneut von Zazou zu trennen? Der Wagen passierte das Holzschild, auf dem man den Namen der Schule lesen konnte. "Charles, Sie fahren dann bitte hierher zurück, biegen rechts ab und dann bis hinter die nächste Kurve, okay?" gab June Anweisung. "Gerne, Miss June."

Triumphierend sah das Mädchen seine Eltern an. "Wir sind da. Kann ich mich auf euch verlassen?" Daniel und Chloe sahen sich an und nickten stumm. June lächelte befriedigt, verabschiedete sich ausgiebig von Zazou, auch wenn sie sich nur für kurze Zeit trennen mussten und stieg aus dem Wagen. Zusammen mit ihren Eltern holte sie das Gepäck aus dem Kofferraum. Ihr Aufenthalt hier würde bestimmt nicht so schlimm werden, wie der Alltag in Portland. Dort konnte sie nicht auf die Straße gehen, ohne dass mindestens ein kleines Mädchen ihr "Ruby!!!" hinterher rief und sie um ein Autogramm bat.

tbc: Peter's Büro
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