Mit einem brummenden Schädel wachte Andy am nächsten Morgen auf, als sein Wecker klingelte. Musste er denn wirlich schon aufstehen. Lust hatte er keine dazu. Aber damit seine Eltern nicht ständig wegen seiner Freunde schimpften, hatte er sich bereit erklärt, wieder pünktlich in der Schule zu erscheinen und sich auch wieder etwas mehr Mühe zu geben. Also musste er wohl oder übel aufstehen.
Langsam quälte er sich aus seinem Bett und schlich ins Bad um zu duschen. Vielleicht würde er dadurch etwas wacher. Aber leider half es nicht viel. Immer noch müde, trottete er, nach dem duschen zurück in sein Zimmer und wollte sich aus dem Kleiderschrank seine Sachen holen. Doch seltsamerweiße schienen manche Hosen und T-Shirts, die er sehr gerne trug, nicht im Schrank zu sein. Andy schüttelte den Kopf. Was sollte das denn? Eigentlich räumte seine Mutter immer alles sofort nach dem waschen wieder in den Kleiderschrank. Aber womöglich war sie, durch seinen Aufenthalt in der Klinik nicht dazu gekommen. Daher nahm er sich irgendeine Hose und ein Shirt und zog sich an.
Danach schmiss er schnell seine Schulsachen in die Tasche und eilte nach unten, da es schon halb acht war. “Hallo Mum.”, begrüßte er seine Mutter so fröhlich wie möglich, damit sie keinen Verdacht schöpfte, dass er alles andere als fit war. Er nahm sich sein Frühstück, dass die Mutter bereits vorbereitet hatte und wollte das Haus verlassen, als sie meinte, er sollte warten, denn sie müssten eh in die Stadt und würden ihn schnell zur Schule fahren.
Auch dabei dachte sich Andy nichts, denn es kam häufiger vor, dass seine Eltern ihn zur Schule brachten. Er wartete bis seine Mutter und sein Vater fertig waren und ging mit ihnen zum Auto. Dort ließ er sich auf den Rücksitz fallen und konnte nur mit Mühe und Not ein Gähnen unterdrücken. Zum Glück waren seine Eltern gerade damit beschäftigt einzusteigen und bekamen es dadurch nicht mit.
Als sie dann aus der Einfahrt fuhren dachte Andy an die Mathearbeit, die sie heute zurück bekommen würden. Gut war sie mit Sicherheit nicht ausgefallen, denn Andy hatte überhaupt nicht dafür gelernt gehabt und war außerdem, zu dem Zeitpunkt als sie den Test geschrieben hatten, noch nicht ganz nüchtern gewesen. Das würde wieder Zoff mit seinen Eltern geben. Vielleicht sollte er es ihnen erst gar nicht sagen, dann konnte er dem Ärger zumindest noch für eine Weile entgehen. Allerdings nur bis es Zeugnisse gab. Dann kam es auf jeden Fall heraus.
Andy holte tief Luft und blickte gelangweilt aus dem Fenster. Wie gerne wäre er jetzt zum Strand gegangen. Auch wenn die anderen meistens erst gegen Mittag kamen. Doch das war ihm egal. Ihm war es nie langweilig.
Auf einmal bemerkte Andy, dass sein Vater nicht in die Richtung der Schule fuhr. Verwundert blickte er zu seinem Vater. “He, wo fährst du denn hin?”, fragte er ihn, bekam aber keine Antwort. Deshalb stellte er die Frage noch einmal seiner Mutter und erschrak, als sie ihn traurig anblickte. Irgendetwas stimmte hier doch nicht. Was hatten seine Eltern mit ihm vor. “Mum, was soll das? Was habt ihr vor? Und warum bringt ihr mich nicht zur Schule? Ich denke ihr wolltet, dass ich wieder regelmäßig dorthin gehe und mich anstrenge.”, fragte er zweifelnd. Jedoch seine Eltern antworteten ihm nicht. Erst als sie die Stadt verlassen hatten, meinte seine Mutter. “Andy, du wirst ab sofort auf eine andere Schule gehen. Wir können es nicht mehr verantworten, dass du dich mit dieser Gang triffst. Wir wollen doch nicht, dass du dich mit dem vielen Alkohol kaputt machst und du hörst ja nicht auf uns.”
Andy glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. “Wie bitte? Das ist doch nicht euer Ernst.”, schrie er seine Mum an. “Was geht es euch denn an, was ich in meiner Freizeit mache und in die Schule gehe ich ja. Also was wollt ihr noch mehr.” “Was wir wollen.”, mischte sich Andrews Vater ein. “Wir wollen das du endlich mit dem Alkohol aufhörst. Und deshalb wirst du ab jetzt auf eine Schule gehen, in der du keine Möglichkeit mehr dazu hast an Alkohol zu kommen. Außerdem liegt sie so weit weg, dass du niemals mehr Kontakt zu deiner Motorradgang aufnehmen kannst. Verstanden?”
Andy verstand die Welt nicht mehr. Wie konnten seine Eltern das nur tun. Jedoch glaubte er seinem Vater nicht so ganz, dass die Schule so weit weg lag, dass er nie mehr zu seiner Gang konnte. Das konnte es doch gar nicht geben. Allerdings verstand er jetzt, warum er einige Kleidungsstücke heute morgen nicht mehr im Schrank gefunden hatte. Die hatte seine Mutter wohl gestern Abend, als er weg gewesen war, eingepackt.
Wütend auf seine Eltern, lehnte er sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Er würde kein Wort mehr mit ihnen sprechen, nicht eher bis sie sich anders entscheiden würden und ihn wieder mit zurück nahmen. Doch er war sich nicht sicher, ob seine Eltern das jemals tun würden.
Stunde für Stunde fuhren sie über den Highway und Andy hatte das Gefühl, dass sie niemals ankommen würden. Bis sie endlich vom Highway abbogen und in ein großes Waldgebiet fuhren. So langsam glaubte der Junge seinem Vater. Die Schule schien wirklich am Arsch der Welt zu liegen. Aber auch das würde ihn nicht von seinen Freunden fern halten. Schließlich hatte er ja ein Handy.
Aufmerksam beobachtete er alle Straßenschilder und prägte sich die Namen ein. Bis sie St.Agnes erreicht hatten und er ein Schild mit der Aufschrift 'Mount Horizon High' entdeckte. Das war dann wohl die Schule auf die er jetzt gehen sollte. Vorsichtig, damit seine Eltern es nicht sahen, zog er das Handy aus der Tasche und begann hinter der Rücklehne des Vordersitzes eine SMS an seinen Freund zu schreiben. Er beschrieb ihm genau, wo die Schule lag und bat ihn darum, ihn in den nächsten Tagen abzuholen. Dann schickte er die Nachricht ab und steckte das Handy wieder ein. Dabei spürte er einen der beiden Flachmänner, die er in den Hosentaschen stecken hatte. Das würde ihm zumindest helfen die Zeit zu überstehen, bis seine Freunde kamen.
Ein wenig erleichtert beobachtete er weiter die Landschaft durch die sie fuhren, bis sie die Einfahrt der Schule erreicht hatten. Irgendwie hatte der Junge eher den Eindruck, dass es sich hier um ein Feriencamp handelte, aber dorthin würden seine Eltern ihn bestimmt nicht schicken. Also war es wohl doch eine Schule.
Langsam fuhr sein Vater auf den Parkplatz vor einem recht großen Holzhaus und hielt an. Er stellte den Motor ab und blickte zu Andy. “So, da wären wir. Ich hoffe, dass sie es hier schaffen, dir deine Flausen aus dem Kopf zu treiben, damit du wieder so wirst wie du früher einmal warst. Steig jetzt bitte aus. Wir müssen zum Schulleiter.”, forderte er seinen Sohn auf und verließ das Auto. Dann holte er die beiden Reisetaschen aus dem Kofferraum und stellte sie neben das Auto.
Notgedrungen folgte Andy seinen Eltern und griff nach den Taschen. Wenn alles gut ging, war er ja in ein paar Tagen hier schon wieder weg. “Wo müssen wir hin?”, fragte er seinen Vater gelangweilt und als er auf das große Gebäude deutete, ging er los, ohne auf seine Eltern zu warten.
TBC: Vor die Büros
Andy's Ankunft
- Andy Tyson
- Beiträge: 203
- Registriert: 18.07.2009, 19:12
Andy's Ankunft
Zuletzt geändert von Andy Tyson am 19.07.2009, 18:19, insgesamt 1-mal geändert.
[align=center]Das nebenstehende Avatarbild basiert auf dem Bild "este es sean flynn actualmente" aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der Creative Commons Attribution 3.0 Unported Lizenz. Der Urheber des Bildes ist DeoSz.[/align]